21.10.2011
Die Walkabouts sind zurück. Nach sechs Jahren haben Chris Eckman, Carla Torgerson, Terri Moeller, Michael Wells, Glenn Slater und Paul Austin es endlich wieder geschafft, ihre Musik in Form von Travels in the dustland mit dem Hörer zu teilen. Travels in the dustland entpuppt sich schon beim betrachten des Tracklistings und dem Aufbau der Platte als kleines Konzeptalbum. Unterteilt in vier Abschnitte durchquert man verstaubte Landfetzen der weiten Prärie. Genug Zeit um sich zu sammeln und die Musik aufzunehmen. Part eins, Home & beyond, startet mit dem Entstauber My diviner. Carla Torgersons Stimme entfaltet sich in der Einöde. Der Hörer wird sanft begleitet und geführt. Der Opener alleine offenbart den Weg, den Travels in the dustland geht. Mit Unterbrechungen feilte Eckman immer mal wieder an Songs, bis die Sammlung vollständig war und der Rest der Walkabouts ihren Input geben konnte. Während Song eins noch zart und behütet im übertragenen bildlichen Sinne vielleicht ausgetrocknet aus der Perspektive Torgersons erzählt, dass der Partner auf der Suche nach einer Wasserquelle ist, so erzählt Eckman im zweiten Song mit voller Wucht und Nick Cave Attitüden, wie sich die Suche nach dem doch so wichtigen Lebenselexier gestaltet. Der Plan steht und bereits im zweiten Song, ist die Geschichte aus dem Wüstenland voll im Gange. Der Staub wurde schnell abgewischt und mit musikalischer Eleganz sind die Walkabouts auf einmal wieder da. Soul thief erinnert ein wenig an Leonard Cohens Zeit Anfang der 90er - treibend, vorwärtspräschend. Torgerson und Eckman singen abwechslend, mal solo, mal zusammen. So wie in They are not like us, bei dem die dunkle Stimme Eckmans im Refrain wie ein dahinwandelnder Schatten im Ohr liegt.
Im zweiten Part, Crossing broken ground, lässt auch der Rainmaker nicht mit sich reden - die Flüsse werden brennen und alles scheint vom Aussterben bedroht zu sein. Nach Eckmans energischem Versuch den Rainmaker zu erwischen, verspürt man in Torgersons Stimme in Every river will burn schon eine leichte Niedergeschlagenheit. Das folgende No rhyme, no reason zeigt sich mit klassischen Rockelementen im trozigen Gewand und leitet gen Ende des Songs den dritten Part, A lifting, ein. Elegant und schwebend wirken Streicher und Klavier zusammen, erzeugen bei all dem vorangegangen Feuer einen wohlwollenden Frieden - wie immer der auch aussehen mag (Wild sky revelry). Long drive in a slow machine stellt sich schwungvoll auf und protestiert noch einmal gegen das Existenzende. Der letzte Part, Dusk, stones, silence, stellt wie nicht anders zu erwarten, das Outro dar. Eckman und Torgerson bringen die Geschichte zu Ende. Mystisch und mit der gleichen Eleganz, die die Walkabouts zu Beginn der Platte spüren ließen, endet Travels in the dustland. Da passt natürlich der Titel Horizon fade punktgenau und schließt metaphorisch den Vorhang vor den eigenen Augen.
Nach mehrmaligem Hören entpuppt sich Travels in the dustland für mich in erster Linie als wohltuende Sesselplatte, zum Schlummern und Versinken. Es ist der Platte und ihren Musikern anzumerken, dass hier, einfach ausgedrückt richtig gerne dran gearbeitet wurde. Mit viel Energie und Hingabe. Wie es live wird und mit welcher Energie und Hingabe die Songs dann präsentiert werden, bleibt abzusehen.
- 13.01.2012 Geislingen, Rätschenmühle
- 19.01.2012 München, Feierwerk
- 23.01.2012 Berlin, Lido
- 24.01.2012 Hamburg, Fabrik
- 26.01.2012 Frankfurt, Brotfabrik
www.thewalkabouts.com




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